Aus unserer Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum

Bis zum Jahr 1934 wurde der Brandschutz der Gemeinde Altendiez von einer Pflichtfeuerwehr wahrgenommen. Bürgermeister Karl Keßler diskutierte mit den damaligen Wehrmännern über die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, was dann auch am 21.12.1934 im Saalbau Langschied in die Tat umgesetzt wurde. Spontan traten 45 Altendiezer Bürger der neuen Freiwilligen Feuerwehr bei. Zum Brandmeister und Wehrführer wurde Hermann Bauer gewählt. Stellvertreter wurde Wilhelm Reinhard.

Die Herren Schneidermeister Sprenger und Hirschberger aus Altendiez fertigten Einsatzkleidung und Ausgehuniformen an, welche von den Feuerwehrmännern selbst bezahlt wurden. Auch der Geräteraum im Rathaus wurde renoviert. Die Gemeinde kaufte eine ausziehbare, zweiteilige Schiebeleiter, zwei Hakenleitern, eine Dachleiter und weiteres Schlauchmaterial für die Handdruckspritze. Auf Grund regelmäßiger Übungen hatte Altendiez schon bald eine gut gerüstete und schlagkräftige Feuerwehr. Dieser wurden bis Jahresende 1935 noch zwei Atemschutzmasken mit Ersatzfiltern übergeben. Wilhelm Opel wurde 1936 zu einem Ausbildungs- und Führungslehrgang nach Rothenburg geschickt. Im gleichen Jahr wurde eine DKW -Zweitakt-Motorspritze angeschafft, die noch heute funktionstüchtig ist. 1937 folgte noch ein von Hand gezogener Schlauchanhänger mit zwei Schlauchhaspeln. Alle jungen, freiwilligen Feuerwehrmänner wurden 1939 und in den nachfolgenden Kriegsjahren zum Militärdienst einberufen. Viele von ihnen kehrten nicht mehr in die Heimat zurück, fanden den Tod oder sind vermisst. Der Brandschutz wurde von älteren Männern und Jugendlichen ab 14 Jahren unter Führung von Karl Wagner übernommen.

Alle diejenigen, die in dieser entbehrungsreichen Zeit sich dieser Aufgabe stellten, darf man nicht vergessen. Ihr Idealismus, anderen in großer Not zu helfen, ist nicht hoch genug zu bewerten. Nach 17 Jahren, am 16.11.1957, übergab Karl Wagner die Wehrführung an Ewald Neu. Karl Wagner wurde zum Ehrenkommandant ernannt.

1959 wurde das Gerätehaus um einen Schulungsraum erweitert. 1961 wurde das erste Feuerwehrfahrzeug erworben, ebenso ein Schlauchanhänger und neue Einsatzuniformen. Die Gemeinde übergab 1963 eine neue Feuerlöschpumpe TS 8/8 sowie ein tragbares Atemschutzgerät.

Die Einrichtung einer Atemluftfüllstation mit einem mobilen Kompressor erhöhte die Einsatzbereitschaft der Wehr. Der Bürgermeister, sowie der Gemeinderat, waren stets darauf bedacht, alle Gerätschaften auf dem neusten Stand zu halten.

Eine große Bereicherung war 1967 der Ankaufvon zwei weiteren Atemschutzgeräten. Nach Zustimmung der Gemeinde erbaute man 1969 das heutige Feuerwehrgerätehaus, in Eigenleistung. 1973 wurde ein neues Feuerwehrfahrzeug übergeben.

Die Verwaltungsreform 1975 bezog die Freiwillige Feuerwehr Altendiez mit ihrer Ausrüstung in die Verbandsgemeinde Diez ein. Die Anschaffung eines vierten
Atemschutzgerätes und die Übergabe eines Rettungsbootes verliehen der Wehr den Status einer gut gerüsteten und schlagkräftigen Sonderwehr.

Die Atemluftfüllstation in Altendiez wurde offiziell zum Stützpunkt aller Atemschutzwehren der Verbandsgemeinde. Am 06.03.1977 trat Ewald Neu von seinem Ehrenamt zurück. Während der Jahreshauptversammlung würdigte man seine großen Verdienste um das Feuerwehrwesen und ernannte ihn zum Ehrenwehrführer. Die Wehrleitung übernahm nun Fritz Thorn.

Am 13.01.1979 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet, deren erste Ausbilder Walter Neidhöfer und Holger Stein waren. Der guten und zeitraubenden Arbeit aller nachfolgenden Jugendwarte ist es zu verdanken, dass die Jugendfeuerwehr Altendiez heute auf 30 erfolgreiche Jahre zurückblicken kann. Den hohen Ausbildungsstand unserer Jugendlichen stellten sie immer wieder bei verschiedensten Wettbewerben unter Beweis.

Für die Atemluftfüllstation wurde 1980 ein großer stationärer Kompressor mit acht Füllanschlüssen beschafft. Atemschutzgeräteträgerlehrgänge wurden von nun an in Altendiez abgehalten.

Am 04.06.1982 übergab Verbandsgemeinde Bürgermeister Karl Günzler ein neues Mehrzweckfahrzeug. 1984 kam eines der großen Hochwasser. Die Feuerwehr Altendiez wurde mit dem Boot an der Bruchhäuser Mühle zur Tierrettung eingesetzt. In Diez half sie beim Wasserpumpen und übernahm Versorgungsfahrten per Boot. Insgesamt waren wir vier Tage lang mit 15 Kameraden, 704 Stunden im Einsatz.

Schon zur damaligen Zeit waren die Gelder der Verbandsgemeinde knapp. Um spezielle Ausrüstung, wie z.B. ein Stromaggregat mit Beleuchtungseinrichtung oder bessere persönliche Schutzkleidung, zu beschaffen wurde der Förderverein „Freunde und Förderer der Freiwilligen Feuerwehr Altendiez“ am 24.03.1984 gegründet. Dass dieser Schritt die richtige Entscheidung war, zeigt sich bis heute. Durch den Förderverein konnten unter anderem bis heute Funkmeldeempfänger für fast alle Aktiven, Einsatzkleidung für die aktive Wehr, vier zusätzliche Atemschutzgeräte und ein eigenes Mehrzweckfahrzeug (die Liste könnte man fast endlos fortführen) angeschafft werden. Ebenfalls wurde 1984 neben der Ausrichtung des 50-jährigen Bestehens, das drei Tage lang zünftig gefeiert wurde, eine bauliche Erweiterung am Feuerwehrgerätehaus in Angriff genommen. Um alle Atemschutzgeräte der Verbandsgemeinde zu prüfen, warten und für den Betrieb freizugeben, wurde ein Atemschutzzentrum in Eigenleistung erbaut. Dieser Anbau nahm 1244 Stunden in Anspruch und wurde am 14.04.1985 offiziell eingeweiht. Im Jahr 1988 wurde das Feuerwehrgerätehaus erneut um eine Garage zum Lagern von weiteren verschiedenen Gerätschaften angebaut. Auch dieses geschah in Eigenleistung.

1989 konnte die Wehr das 10-jährige Jubiläum der Jugendfeuerwehr in einer gelungenen Feier begehen. Eine gespendete, ziemlich verfallene, pferdegezogene Handdruckspritze von 1901 restaurierte man mit viel Engagement und stellte diese 1990 einsatzbereit der Öffentlichkeit vor. Sie ist heute noch ein besonderes Schmuckstück im Gerätehaus. Der Brand einer Schreinerei in Cramberg war eines der Großfeuer 1990 bei der die Altendiezer mit eingesetzt waren.

Der langjährige stellvertretende Wehrführer Fritz Störtzbach trat 1991 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Ehrenamt zurück. Dieses verantwortliche Amt
besetzte man mit Holger Stein neu. Auch über die Wehr hinaus wurden die Erfahrungen der Kameraden weitergegeben. So hielten bis 1992 Fritz Störtzbach, Albrecht Stein und Holger Stein Lehrgänge, nicht nur auf Verbandsgemeindeebene sondern auch bei der Kreisausbildung in Bad Ems, ab. 1992 bekam die Wehr Altendiez eine neue ultraleichte TS 8/8 für den Einsatzbetrieb. Ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug aufMercedesbasis folgte 1994.

Die gut florierende Jugendfeuerwehr konnte im Jahr 1994 ihr 15-jähriges Bestehen und die Aktiven ihren 60. Jahrestag feiern. Auch bei dieser Veranstaltung zeigten die Altendiezer Bürger ihre Nähe zu ihren Floriansjüngern.

Ein Großbrand sorgte 1995 in der Diezer Altstadt für Entsetzen. Nur durch das schnelle und gut koordinierte Eingreifen der Feuerwehren konnte der Schaden auf das Mindestmaß beschränkt werden. Es wurden vier Häuser in Mitleidenschaft gezogen. 1996 sorgte ein Trinkwassernotstand in der Esterau für Arbeit. Drei Tage und zwei Nächte lang pumpte man Trinkwasser vom Altendiezer Hochbehälter nach Hirschberg, um von dort aus weiter an die Haushalte gegeben werden zu können.

Ein Wechsel in der Wehrführung stand 1999 an. Nach 22 Jahren als Wehrführer trat Fritz Thorn aus Altersgründen von diesem Amt zurück. Nun zeichnete sich die gute Jugendarbeit der Feuerwehr aus. Hans-Jörg Neu, eines der Gründungsmitglieder der Jugendfeuerwehr, übernahm dieses schwierige verantwortungsvolle Amt. Ein Jahr später wurde Fritz Thorn anlässlich seines 60. Geburtstages und für seinen unermüdlichen Einsatz in der Feuerwehr Altendiez zum Ehrenkommandanten ernannt. Noch heute steht er den Aktiven der Wehr mit Rat und Tat immer zur Seite. Er ist ein sehr wichtiges Mitglied in unserer tollen Altersabteilung, ohne die viele Arbeiten im und am Feuerwehrgerätehaus nicht bewältigt werden könnten.

Den Hof am Gerätehaus befestigte man 2002. Die Wehr war auch wieder überörtlich, zum Beispiel in Holzappel, im Einsatz. Im Jahre 2003, durfte die Feuerwehr zwei neue Einsatzfahrzeuge ihr Eigen nennen: Tragkraftspritzenfahrzeug und Mehrzweckfahrzeug. Das alte Mehrzweckfahrzeug übernahm der Förderverein. Während dieser Zeit ereignete sich ein kurioser und schadensreicher Einsatz. Ein Unwetter hatte ein geackertes Feld abrutschen lassen, das sofort die Abwasserrechen sowie die Kanalisation zusetzte. Eine Flutwelle überschwemmte Altendiez. Zwei Tage und Nächte waren die Kameraden im Einsatz um die Schäden zu beseitigen. Sogar Hilfe aus der Feuerwehr Diez musste für ein „Hochwasser auf dem Berg“ in Anspruch genommen werden.

Auch die Altendiezer Wehr war wieder in Nachbargemeinden zur Brandhilfe unterwegs, zum Beispiel in Heistenbach und Freiendiez.

Wir werden nicht nur zu Brandeinsätzen alarmiert, sondern immer öfter auch für Bootseinsätze (Personensuche und -bergung, Gewässerverunreinigungen durch Gefahrstoffe, oder Tierkadaver) auf der Lahn.

2004 war wieder ein Jahr zum Feiern. Die Jugendfeuerwehr wurde 25 Jahre alt. Man veranstaltete eine Disco und beging den Geburtstag mit Wettkämpfen und einem lockeren Festkommers. Am 26.12.2005 riefen Sirenen die Floriansjünger aus der besinnlichen Weihnachts stimmung. Das Wohnhaus des Bürgermeisters stand in hellen Flammen. Nur durch das beherzte Eingreifen der Nachbarschaft, allen voran unseres Ehrenkommandanten Fritz Thorn, konnten die vom Feuer eingeschlossenen Personen schon vor Eintreffen der Einsatztruppen über Leitern gerettet werden. Das Feuer zerstörte fast das ganze Hab und Gut. Es konnte nur ein weiteres Übergreifen verhindert werden. Erst nach einigen Tagen konnte wirklich „Feuer Aus“ gemeldet werden. Dieser Einsatz wird wohl noch lange Zeit in den Köpfen der Kameraden bleiben, da er zeigte, wie machtlos man manchmal trotz guter Technik den Gewalten des Feuers und der Natur gegenübersteht.

2006 wurde wieder in Eigenleistung ein Carport am Feuerwehrgerätehaus angebaut, um einen angemessenen Unterstellplatz, des vom Förderverein übernommenen Mehrzweckfahrzeuges, zu erhalten. Auch dieses Bauvorhaben hätten wir ohne die Altersabteilung nur schwer geschafft.

Auch 2007 und 2008 wurde die Wehr wieder zu kleineren oder auch größeren Einsätzen außerhalb der Gemeinde gerufen. Hierzu zählten zum Beispiel ein Wohnungsbrand in Hirschberg und der Brand eines Autohauses in Diez.

Die letzten 30 bis 40 Jahre prägten die Feuerwehren durch die immer schneller kommenden technischen Neuerungen und dem steigenden Wohlstand, der auch
stellenweise die Feuerwehr vor neue Probleme in Notfällen stellt. Die Belastungen und Anforderungen an die Kameraden steigen, sodass die Ausbildung und Übungen immer umfangreicher werden.

Die Freiwillige Feuerwehr Altendiez steht diesen neuen Aufgaben sehr gut aufgestellt gegenüber. Der extrem hohe Ausbildungsstand der Wehr (mit vier Oberbrandmeistern, sechs Brandmeistern, Löschmeistern sowie Haupt- und Oberfeuerwehrmännern), zeugt von der hohen Motivation innerhalb dieser Wehr Neues zu erlernen und weiterzugeben.

Beim Geschicklichkeitsfahren des Rhein-Lahn Kreises, konnte unser Kamerad Peter Fast dreimal hintereinander den ersten Platz erreichen. Der Wanderpokal fand somit einen neuen festen Platz im Gerätehaus. Bei der Abnahme des Feuerwehrleistungsabzeichens stellte die Feuerwehr Altendiez ihre Schlagkraft unter Beweis. Trotz des immer größer werdenden Freizeitangebotes finden in Altendiez immer wieder junge Frauen und Männer den Weg zu dieser fast unschlagbaren Truppe, um Werte und Leben der Bürger zu retten und schützen. Doch nicht nur im Einsatz, sondern auch gemeinschaftlich zeichnet sich diese Wehr aus.

So wurde 2007 der Ehrenamtstag des Landes Rheinland-Pfalz in Diez mit ausgerichtet. Im Gemeindegeschehen bringen sich die Kameraden auch immer wieder mit ein, ob nun bei der Flurbereinigung, bei Verkehrssicherungen oder vorbeugenden Brandwachen. Auch das jährliche Schlachtfest erfreut sich großer Beliebtheit im Dorf.

Unser ganzer Stolz aber sind die Altendiezer Bürger, denen auch unser besonderer Dank gilt. Bei Schadenslagen, selbst in anderen Ortschaften, sind sie sofort bereit tatkräftig zu helfen oder auch für die Verpflegung der Einsatzkräfte zu sorgen. Das ist leider nicht überall selbstverständlich. Es zeigt uns, dass unsere nicht immer leichte und gefährliche Arbeit anerkannt wird.

Am 20. und 21. Juni 2009 begeht die Freiwillige Feuerwehr Altendiez ihr 75- jähriges und die Jugendfeuerwehr ihr 30-jähriges Jubiläum. Der Zukunft sehen wir selbstbewusst und gut aufgestellt entgegen. Es haben sich in Altendiez noch immer Frauen und Männer gefunden, die ihr eigenes „Ich“ dem Helfen anderer zurückgestellt haben, getreu dem Motto:

Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr